Nuraghen und die Geschichte Sardiniens
Kaum ein Bauwerk ist so eng mit Sardinien verbunden wie der Nuraghe: ein kegelförmiger Steinturm aus der Bronzezeit, von dem es über 7.000 erhaltene Exemplare auf der Insel gibt – vermutlich waren es einst mehr als 10.000.
Was ist ein Nuraghe?
Ein Nuraghe ist ein aus grossen, meist unbehauenen Steinblöcken errichteter Rundturm, oft mit einer nach innen kuppelartig zulaufenden Kammer (ähnlich den griechischen Tholos-Gräbern). Die ersten "Protonuraghen" entstanden ab etwa 2.000 v. Chr., die grosse Bauwelle bis rund 1.200 v. Chr.; danach wurden viele bestehende Anlagen erweitert und zu komplexen Wehrtürmen mit mehreren Nebentürmen ausgebaut.
Wozu dienten sie?
Über die genaue Funktion wird bis heute diskutiert – vermutet werden Wohntürme, Verteidigungsanlagen, Kultstätten oder eine Kombination davon. Sicher ist: Die Nuraghenkultur war die prägende Zivilisation Sardiniens während der Bronze- und frühen Eisenzeit, mit eigenem Handwerk, eigenen Bronzefigürchen ("Bronzetti") und Handelsbeziehungen bis ins östliche Mittelmeer.
Die wichtigsten Anlagen für einen Besuch
- Su Nuraxi di Barumini – die berühmteste und am besten erschlossene Anlage, UNESCO-Welterbe.
- Nuraghe Losa bei Abbasanta – gut erhalten, mit begehbarem Inneren.
- Nuraghe Santu Antine bei Torralba – einer der grössten Nuraghen der Insel.
- Tiscali im Supramonte – ein spektakulär in einer Doline versteckte Bergsiedlung (siehe unseren Wander-Artikel).
Danach: Phönizier, Karthager, Römer
Ab etwa dem 8. Jahrhundert v. Chr. errichteten phönizische Händler Küstenstützpunkte (u. a. Nora, Tharros), gefolgt von karthagischer und schliesslich römischer Herrschaft ab 238 v. Chr. Diese Schichten sardischer Geschichte lassen sich an vielen Ausgrabungsstätten der Insel bis heute nachvollziehen.