Sardinien-BlogTipps & Ideen für die ganze Insel
Nuragische Steinhütte mit Türsturz aus Stein
Insider

Tiscali: Das Bergdorf, das niemand von unten sieht

Mitten im Supramonte, in einem eingestürzten Höhlensystem versteckt, liegen die Reste eines nuragischen Dorfes – von aussen komplett unsichtbar und bis heute nicht restlos erklärt.

Ein Dorf in einem Loch im Berg

Tiscali ist keine Ruine auf einem Hügel, sondern liegt im Inneren einer Doline: einem Karsttrichter, der entsteht, wenn das Dach eines unterirdischen Höhlensystems einstürzt. Rund 40 kreisförmige Steinhütten schmiegen sich an die Innenwände dieser natürlichen Kraterlandschaft zwischen dem Supramonte di Oliena und dem Supramonte di Dorgali – umgeben von einem kleinen Mikrowald aus Steineichen und Mastixsträuchern, der im Talkessel ein eigenes, kühleres Mikroklima erzeugt.

Bewohnt bis in die Eisenzeit

Archäologische Funde datieren die Besiedlung auf etwa das 15. bis 8. Jahrhundert v. Chr. – Tiscali war damit noch bewohnt, als die nuragische Kultur andernorts auf der Insel bereits im Niedergang war. Warum ausgerechnet hier, an einem derart unzugänglichen Ort, gebaut wurde, ist unter Archäologen bis heute umstritten: Diente die Doline als Fluchtburg vor eindringenden Phöniziern und später Römern, als abgelegener Kultort, oder schlicht als besonders geschützte Siedlung? Eindeutige Belege für eine der Theorien fehlen.

Von keinem Punkt der umliegenden Täler aus ist zu erahnen, dass sich im Inneren des Berges ein ganzes Dorf verbirgt.

Erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt

Trotz seiner Lage mitten im Herzen des Supramonte geriet Tiscali über Jahrhunderte in Vergessenheit und wurde erst 1885 von einem französischen Archäologen systematisch untersucht. Lange dienten die Doline und die umliegenden Höhlen Hirten als Unterschlupf – ein Grund, warum viele der ursprünglichen Fundstücke bereits verschwunden waren, als die erste wissenschaftliche Erkundung begann.

Wie man heute hinkommt

Der Aufstieg beginnt meist im Valle di Lanaitto oder ab Su Gologone und dauert je nach Route rund drei bis fünf Stunden hin und zurück – ohne Beschilderung an der eigentlichen Doline, sodass sich der versteckte Charakter des Ortes bis heute erhalten hat. Mehr zur genauen Route und weiteren Wandertouren im Supramonte gibt es in unserem Wander-Artikel.

Gut zu wissen: Festes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind Pflicht – der Weg führt über unwegsames Karstgelände ohne Schatten, und im Hochsommer sollte der Aufstieg früh am Morgen begonnen werden.