Sardinien-BlogTipps & Ideen für die ganze Insel
Bergdorf am Fuss eines Kalksteinmassivs in der Barbagia
Insider

Blue Zone Barbagia: Warum hier so viele 100 werden

In einer Handvoll Bergdörfer rund um den Gennargentu werden Menschen dreimal häufiger 100 Jahre alt als im Rest Sardiniens – ein Rätsel, das Wissenschaftler seit über 20 Jahren untersuchen.

Woher der Name "Blue Zone" kommt

Der Begriff geht auf die demografische Studie AKEA ("A Kent'Annos", sardisch für "auf hundert Jahre") von 2004 zurück. Die beteiligten Forscher markierten auf einer Landkarte jene Dörfer mit besonders vielen Hundertjährigen mit blauer Tinte – aus den blauen Kreisen wurde der inzwischen weltbekannte Begriff "Blue Zone", der heute für mehrere Langlebigkeits-Regionen rund um den Globus verwendet wird. Die Barbagia war eine der allerersten dieser Zonen.

Sechs Dörfer, ein Massiv

Betroffen sind rund sechs Dörfer in der Barbagia und Ogliastra rund um das Gennargentu-Massiv, mit zusammen etwa 40.000 Einwohnern – traditionell vor allem Hirten und Bauern, die auch im hohen Alter körperlich aktiv bleiben. Die AKEA-Forscher fanden bei einer historischen Auswertung 91 Hundertjährige unter rund 18.000 Menschen, die zwischen 1880 und 1900 geboren wurden – etwa dreimal so viele wie im sardischen Durchschnitt.

Besonders auffällig: Während anderswo auf der Welt auf einen männlichen Hundertjährigen rund 2,4 Frauen kommen, liegt dieses Verhältnis in der Barbagia bei nur 1,35 – die Männer holen hier fast auf.

Was die Forschung vermutet

Eine einzelne Erklärung gibt es nicht – Studien nennen meist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: die traditionelle, pflanzenbasierte Ernährung mit viel Fladenbrot, Hülsenfrüchten und mässigem, aber regelmässigem Konsum von Cannonau-Rotwein (mehr dazu in unserem Artikel über sardische Weine), lebenslange körperliche Bewegung in bergigem Gelände, starke familiäre und dörfliche Bindungen sowie eine wegen der geografischen Isolation der Bergdörfer besonders stabile genetische Ausgangslage.

Genetische Isolation als Schlüssel

Weil die Bergdörfer der Barbagia über Jahrhunderte kaum Zuwanderung erlebten, gilt die genetische Populationsstruktur der Region unter Genetikern als aussergewöhnlich homogen und gut erforschbar – ein Grund, warum die Barbagia bis heute Ziel zahlreicher internationaler Langlebigkeits- und Genstudien ist, wie auch unser Artikel mit Fakten über Sardinien kurz anreisst.

Gut zu wissen: Wer die Region bereisen möchte: Die Blue-Zone-Dörfer liegen abseits der Küstenrouten im gebirgigen Landesinneren – am besten lässt sich ein Abstecher mit einer Wanderung oder einem Ausflug zu Orgosolo und seinen berühmten Wandmalereien verbinden.