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Küstenwachturm an einer Bucht auf Asinara
Insider

Asinara: Vom Hochsicherheitsgefängnis zum Nationalpark

Die Insel mit den weissen Eseln vor Stintino war über ein Jahrhundert lang Sperrgebiet – erst als Quarantänestation, dann als eines der härtesten Gefängnisse Italiens.

Von der Quarantäne zum Gefangenenlager

Ende des 19. Jahrhunderts wurde Asinara zunächst als Quarantänestation für Seeleute eingerichtet. Im Ersten Weltkrieg diente die Insel als riesiges Kriegsgefangenenlager: Rund 24.000 österreich-ungarische Soldaten, die nach der Schlacht bei Mojkovac in italienische Gefangenschaft gerieten, wurden hier interniert – unter katastrophalen hygienischen Bedingungen, an denen tausende starben.

Hochsicherheitstrakt für die Mafia

Ab den 1970er-Jahren, den sogenannten "Bleiernen Jahren" politischer Gewalt in Italien, wurde auf Asinara ein Hochsicherheitsgefängnis betrieben, in dem RAF-ähnliche Terroristen der Roten Brigaden ebenso einsassen wie später führende Mafia-Bosse. Nach den Mordanschlägen auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992 verschärfte Italien das Haftregime für Mafiosi drastisch: Der berüchtigte "41-bis"-Sonderhaftstatus, der Bosse wie Salvatore Riina fast vollständig von der Aussenwelt isolierte, wurde unter anderem hier vollstreckt.

In über 110 Jahren als Gefängnisinsel gelang nur ein einziger Ausbruchsversuch dauerhaft.

Wo die Anklage gegen die Cosa Nostra entstand

Bereits 1985 arbeiteten die Richter Falcone und Borsellino zeitweise auf Asinara – aus Sicherheitsgründen abgeschirmt im Gästehaus von Cala d'Oliva – an der rund 8.000 Seiten starken Anklageschrift für den historischen Maxiprozess gegen die Cosa Nostra in Palermo, der zur Verurteilung hunderter Mafiosi führte.

Heute: Nationalpark mit weissen Eseln

1997 wurde das Gefängnis endgültig geschlossen und die gesamte Insel zum Nationalpark erklärt. Gerade weil sie so lange abgeriegelt war, konnte sich hier die auffällige weisse Eselrasse mit blauen Augen halten, der wir einen eigenen Abschnitt in unserem Artikel zur Tierwelt Sardiniens gewidmet haben. Heute ist Asinara nur mit organisierten Touren oder Booten ab Stintino oder Porto Torres zugänglich – ein Nationalpark, dessen menschenleere Buchten man fast ausschliesslich auf ehemaligem Sperrgebiet verdankt.

Gut zu wissen: Ein Teil der ehemaligen Gefängnisgebäude in Cala d'Oliva und Fornelli kann im Rahmen geführter Touren besichtigt werden – ein ungewöhnlicher Kontrast zu den sonst naturbelassenen Stränden der Insel.