Cantu a Tenore: Sardiniens mehrstimmiger Gesang
Eine der eindrücklichsten kulturellen Traditionen Sardiniens ist akustisch: der "Cantu a Tenore", ein archaischer, vierstimmiger Männergesang aus dem Bergland der Barbagia.
Vier Stimmen, ein Kreis
Beim Cantu a Tenore stehen vier Sänger eng in einem Kreis und übernehmen je eine feste Stimme: die Melodie führt die "boche" (Solostimme), dazu kommen die tieferen, gutturalen Stimmen "bassu", "contra" und "mesu boche". Das Ergebnis ist ein dichter, fast obertonartiger Klangteppich, der eher an zentralasiatischen Kehlgesang erinnert als an klassische italienische Vokalmusik.
UNESCO-Kulturerbe seit 2005
2005 nahm die UNESCO den Cantu a Tenore als eines der ersten sardischen Kulturgüter in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass der Gesang die pastorale Kultur der Insel verkörpert und die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur widerspiegelt.
Wo man ihn erleben kann
Besonders bekannt für ihre Tenore-Gruppen sind Orte wie Orgosolo, Bitti und Mamoiada in der Provinz Nuoro. Auftritte gibt es vor allem im Rahmen von Dorffesten, Hochzeiten und den grossen Festen der Insel (siehe unseren Artikel zu den traditionellen Festen) – ein fester Programmpunkt im Tourismuskalender ist der Gesang aber nicht, was ihn umso authentischer macht.